Montag, 9. März 2020

Die Königskinder, 8. März 2020, Oper Graz




Dazu die Kritik von Gurnemanz aus dem Merker Forum, der wohl nichts hinzuzufügen ist:

Am 22. Dezember 2019 hatte ich bereits die Grazer Produktion der viel zu selten gespielten Humperdinckschen Königskinder erlebt und war schon damals angetan - der positive Eindruck wurde heute noch um ein vielfaches verstärkt. Wer meine Texte regelmäßig liest, weiß, dass ich nur wirklich Gutes lobe und Schlechtes konsequent verreiße, aber die heutige Aufführung würde ich in ihrem Gesamtpaket als mein unbestrittenes Opern-Highlight der bisherigen Saison 2019/20 bezeichnen.
Zumal im Bericht vom Dezember schon einiges ausführlich beschrieben ist, fasse ich heute kurz: Für die größte Überraschung sorgte Maximilian Schmitt, der sich in viel besserer Verfassung als im Dezember präsentierte (damals krank?) und heute eine ausgezeichnete Leistung ablieferte, wie auch Ivan Oreščanin als hervorragender Spielmann der Aufführung zu einem hohen Niveau verhalf (zeitweise sollte er noch weniger in sich hinein singen, aber es war nicht zu schlimm). Ebenfalls sehr gut besetzt waren die Gänsemagd mit Polina Pastirchak (zeitweise zu scharf in der Höhe) und wie auch im Dezember die Hexe mit Christina Baader. Alle Nebenrollensänger machten ihre Sache sehr gut (welch ein Konstrast zur Wiener Staatsoper); und Stephanie Fournier sang die Kinderrolle des Besenbinder-Töchterchens sehr gut, wenn auch nicht so grandios wie Victoria Legat im Dezember. Hervorragend die Grazer Philharmoniker (unter Marius Burkert) und der Chor der Oper Graz. Die Produktion von Frank Hilbrich, Volker Thiele und Gabriele Rupprecht ist sowieso fabelhaft.
Ja, das war eine der GANZ seltenen Aufführungen, bei der wirklich ALLES passte (von der sprachlichen Gestaltung des Librettos abgesehen). Ebenfalls super die gemeinsamen Hin- und Rückfahrten sowie das rein zufällige Treffen in der Oper Graz jemandes, den ich seit über 5 Jahren nicht gesehen und komplett aus den Augen verloren hatte, also insgesamt ein super Opern-Ausflugstag. Den vordergründig sympathischen Spielmann (die wahre Hauptrolle dieser Oper) halte ich übrigens für eine ungute Figur, auch wenn er aus hehren Motiven handelt, aber letztlich ist der ganze Scherbenhaufen (Tod der Königskinder im Schnee) auf seinem Mist gewachsen. Wer hält dagegen?
Und nun ein Schlusssatz: Wer die Grazer Königskinder verpasst, ist selbst schuld. Humperdinck hat nicht nur Hänsel und Gretel geschrieben, sondern auch die VIEL besseren Königskinder - diese Oper sollte man kennen. (Dass sie ein Jahr nach Strauss' Elektra uraufgeführt wurde, sollte man allerdings lieber ausblenden...)


BESETZUNG

Marius Burkert
Maximilian Schmitt
Polina Pastirchak
Ivan Oreščanin
Christina Baader
Wilfried Zelinka
Martin Fournier
Stephanie Fournier
David McShane
Thomas Essl
Anna Brull
Albert Memeti
Mareike Jankowski
István Szecsi
Majkend Hasa
Dominika Blazek

Mittwoch, 26. Februar 2020

Manuel Walser / Elisabeth Plank, 25. Februar 2020, Schubertsaal

Ein ordentlicher Liederabend: Die Kombination mit der Harfe war bei Schubert nicht ideal; bei Ravel und Vaughan Williamsviel besser. Manuel Walser sang etwas eintönig, nicht viel Variation in seiner Stimme, kaum Ausdruck. Zu Beginn war er auch noch extrem nervös.

Interpreten
Manuel Walser, Bariton
präsentiert im Rahmen des Förderprogramms »Great Talent«
Elisabeth Plank, Harfe
präsentiert im Rahmen des Förderprogramms »Great Talent«
Programm
Franz Schubert
Abendstern D 806 (1824)
Der Wanderer an den Mond D 870 (1826)
Du bist die Ruh D 776 (1823)
Todesmusik D 758 (1822)
Im Abendrot D 799 (1824–1825)
Frühlingsglaube D 686 (1820–1822)
Nacht und Träume D 827 (1823)
Nachtstück D 672 (1819)
Maurice Ravel
Cinq mélodies populaires grecques (1904–1906)
***
Ralph Vaughan Williams
Songs of Travel (1904)

Dienstag, 25. Februar 2020

Orchester und Chöre des Musikgymnasiums Wien - Manfred Honeck, 24. Februar 2020, Musikverein

Die jungen Schüler spielen schon ausgezeichnet. Man merkt auch, dass ordentlich geprobt wurde. Es zahlt sich auch aus, einen ausgezeichneten Dirigenten Manfred Honeck zu engagieren. In Summe kommt dann ein erfrischendes und sehr schönes Konzert heraus.
Die Chormassen waren wieder ungeheuer - sicher 350 Sänger!
Die 1. Mahler ist schon ein riseiges Werk, es stachen vor allem die Blechbläser hervor, auch ausgezeichnet die Solokontrabassistin!

Die Solisten waren leider nicht so gut! Der Tenor erfing sich aber bald.

Karl Masek

Interpreten

Orchester des Musikgymnasiums Wien
Chöre des Musikgymnasiums Wien
Manfred Honeck Dirigent
Gerlinde Ott Sopran
Nina Veselinova Alt
Franz Gürtelschmied Tenor
Marcus Pelz Bass

Programm

Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 D-Dur  
Anton Bruckner Ausgewählte Motetten Te Deum

Montag, 24. Februar 2020

My Fair Lady, 21. Februar 2020, Volksoper


Wie immer ein herrlicher Abend. Geliefert wie bestellt. My Fair Lady funktioniert immer. Diesmal mit einen neuen Higgins Axel Herring, musste mich ein bisserl gewöhnen, der Letztjährige Kurt Schreibmayer als Pickering. Arrouas immer besser. Regula Rosin herrlich als Mutter Higgins!


Dirigent Laszlo Gyüker
Regie Robert Herzl
Bühnenbild Rolf Langenfass 
Kostüme  Rolf Langenfass 
Choreographie  nach Susanne Kirnbauer 
Choreographie  nach Gerhard Senft 
Eliza Doolittle Johanna Arrouas
Henry Higgins Axel Herrig
Oberst Pickering Kurt Schreibmayer
Alfred P. Doolittle Robert Meyer
Mrs. Higgins Regula Rosin
Mrs. Pearce Martina Dorak
Freddy Eynsford-Hill Alexandre Beuchat
Mrs. Eynsford-Hill Susanne Litschauer
Harry Maximilian Klakow
Jamie Oliver Liebl
Butler Franz Suhrada
Mrs. Higgins' Zofe Klaudia Nagy
Erster Obsthändler Frederick Greene 
Zweiter Obsthändler  Martin Dablander 
Dritter Obsthändler  Heinz Fitzka 
Vierter Obsthändler  Raimund-Maria Natiesta 
Erste Zofe  Anna-Sophie Kostal 
Zweite Zofe  Angela Riefenthaler 
Erster Diener Levente Szöke 
Zweiter Diener  Tibor Levay 
Dienerin  Nora Drimba 
Blumenmädchen Klaudia Nagy

Donnerstag, 20. Februar 2020

Quatuor Ébène »Beethoven-Quartette«, 19. Februar 2020, Mozartsaal


Ein bemerkenswerter Abend. Ein modern spielendes grandioses Quartett, obwohl der Primgeiger kürzestfristig ersetzt werden musste. Warm spielend, musikalisch und endlich alle Stimmen gleichberechtigt, vor allem waren 2. Geige und Viola sehr gut zu hören.
Da wurde mit bewußt, dass das Belcea-Quartett beeindruckend musiziert, aber ein "Primarius-Quartett"  ist, und dies mir eigentlich nicht gefällt, das Artemis-Quartett muss sich erst fangen, im derzeitigen Zustand ist es viel schwächer geworden (Suyoen Kimist keine Primaria, Harriet Krijgh passt noch gar nicht ein ein Quartett)


Interpreten
Quatuor Ébène
Pierre Fouchenneret, Violine (Ersatz)
Gabriel Le Magadure, Violine
Marie Chilemme, Viola
Raphaël Merlin, Violoncello

Primgeiger Pierre Colombet fiel krankheitshalber aus!
Programm
Ludwig van Beethoven
Streichquartett F-Dur op. 18/1 (1799–1800)
Streichquartett Es-Dur op. 74 »Harfen-Quartett« (1809)
***
Streichquartett C-Dur op. 59/2 (1805–1806)

Montag, 17. Februar 2020

Orchestre Philharmonique de Radio France / Benjamin »Benjamin: Written on Skin« , 16. Februar 2020, Konzerthaus

Eine sehr spannende moderne Oper, sehr gutes Libretto (ohne Belehrung), interessante Musik, nicht nur Krach, auch Melodien und ausgezeichnete Sänger. Seit langem wieder hat mir der Countertenor  Tim Mead wirklich gefallen, wahrscheinlich auch weil die Rolle dafür geschrieben ist. Das wirkt dann viel besser. Ein düsterer Bariton Ramgobin und eine helle Agnès Georgia Jarman mit klarer Stimme. Victoria Sommonds mit besonders schönem Mezzo!
Sehr gut dirigiert vom Komponisten George Benjamin!
Leider sind einige Leute lärmend gegangen, mitten während der Musik!

Interpreten
Orchestre Philharmonique de Radio France
Ross Ramgobin, The Protector
Georgia Jarman, Agnès
Tim Mead, First Angel, The Boy
Victoria Simmonds, Second Angel, Marie
Nicholas Sharratt, Third Angel, John
Philipp Marguerre, Glasharmonika
Romina Lischka, Viola da Gamba
Dan Ayling, Regie
George Benjamin, Dirigent
Programm
George Benjamin
Written on Skin. Oper in drei Teilen (Libretto: Martin Crimp) (2012)
Halbszenische Aufführung in englischer Sprache


Ein Engel und eine Frau, die das Herz ihres Liebhabers isst
Konzerthaus. Begeisterung für die schaurig-schöne Oper „Written on Skin“ mit dem Komponisten George Benjamin am Dirigentenpult.
Adelmus von Otranto: So hieß jener Miniaturenmaler in Umberto Ecos „Name der Rose“, der sich verbotener fleischlicher Lust hingegeben hatte und sein Leben bei einem rätselhaften Fenstersturz lassen musste. Sein Zunftkollege, der mysteriöse Buchillustrator in „Written on Skin“, bekommt hingegen keinen Namen, sondern heißt in seiner menschlichen Existenz schlicht „The Boy“ – dabei ist er eigentlich ein Engel. Weil ihn seine Kunst zu einem solchen macht? Ein reicher Despot („The Protector“) engagiert ihn, weil er sein Leben und seine Taten zwischen Buchdeckeln verherrlicht sehen möchte. Prompt gehen seine unterdrückte Frau Agn`es und der Buchmaler eine Liebesbeziehung ein. Das Ende ist tödlich. Der Betrogene tötet den Konkurrenten und reicht seiner nichts ahnenden Frau dessen Herz zum Verzehr. Als sie das begreift, stürzt sie sich aus dem Fenster ...
Eine Handlung, die sich per Zeitreise ins Mittelalter zurückbegibt, zwischen einer brutalen Realität und einer entrückten, übersinnlichen Ebene vermittelt: Das könnte auch in einer aktuellen Streaming-Serie auftauchen, in der die zugrunde liegende provenzalische Legende mit aktuellen Elementen aus Horror, Fantasy und Science-Fiction verquickt wird. Doch als Oper funktioniert das Ganze vielleicht noch besser: So dürfen die vielen, teilweise widerstreitenden Anspielungen in ihrer ganzen Rätselhaftigkeit stehen bleiben, weil die Musik den Zusammenhalt besorgt.
„Written on Skin“ von Martin Crimp (Libretto) und George Benjamin (Musik) wurde 2012 in Aix-en-Provence in einer Regie von Katie Mitchell unter großem Jubel der Fachpresse uraufgeführt; im Jahr darauf machte diese Produktion auch bei den Wiener Festwochen Station. Ein Programmschwerpunkt zu Benjamins 60. Geburtstag beim Orchestre Philharmonique de Radio France führte nun zu einem Gastspiel im Wiener Konzerthaus mit ihm selbst am Dirigentenpult: keine alltägliche Fügung.
Zum Schluss eine Glasharmonika
Das Werk lohnt sich, in dieser von Regisseur Dan Ayling eingerichteten halbszenischen Version zumal, denn sie erlaubt noch stärkere Konzentration auf die 90 kompakten, elektrisierenden, betörenden Minuten von Benjamins Musik. Das Erzählen steht dabei im Mittelpunkt, auch weil die Figuren oft von sich selbst in der dritten Person berichten. Benjamin illuminiert das Geschehen mit Klängen, als wäre es eine alte Handschrift: immer behutsam und gesanglich, aber zugleich prägnant, bunt, mit Konturenschärfe und feinem Pinselstrich – etwa von Harfe, Gambe und in der Schlussszene surrealer Glasharmonika.
Doch die historischen Anspielungen beschränken sich auf die instrumentalen Farben und sparen altes Material aus. Das Brutale scheint von der höheren, tendenziell ungerührten Warte der Engel betrachtet, die in das Leben von Menschen nur deshalb eingreifen, um ihre Äonen alte Abscheu vor deren primitiven Verhaltensweisen aufs Neue bestätigt zu finden. Orchester und Besetzung waren famos: Countertenor Tim Mead und die Sopranistin Georgia Jarman sangen als tragisches Liebespaar rein und zart um ihr Leben, Bariton Ross Ramgobin gab dem Protector belkanteskes Profil.
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Carmina Burana, 14. Februar 2020, Volksoper

Wieder ein großartiger Abend, Ausgezeichnet auch die Sänger. Das Orchester war schon besser, aber die Inszenierung und die Tänzer sind so gut, dass man ganz faziniert ist. Selbst beim Nachmittag eines Fauns, der war mir bisher immer fad!



von 2017



Besetzung

Nachmittag eines Fauns

  • Dirigent Guido Mancusi
  • Choreographie Boris Nebyla
  • Bühnenbild und Kostüme Alexandra Burgstaller
  • Licht Reinhard Traub
  • Es tanzen Suzanne Kertész
  • und Gleb Shilov

Bolero

  • Choreographie, Bühne und Licht András Lukács
  • Kostüme Mónika Herwerth
  • Licht Reinhard Traub
  • Es tanzt Wiener Staatsballett

Carmina Burana

  • Choreographie Vesna Orlic
  • Bühne und Kostüme Alexandra Burgstaller
  • Licht Reinhard Traub
  • Choreinstudierung Holger Kristen
  • Sopran Lauren Urquhart
  • Tenor Sebastian Reinthaller
  • Bariton Ben Connor
  • Fortuna László Benedek
  • Junges Mädchen / Braut Natalie Salazar
  • Junger Mann / Bräutigam Roman Chistyakov
  • Ehefrau Tainá Ferreira Luiz
  • Ehemann Felipe Vieira
  • Rivalin Kristina Ermolenok
  • Alte Frau Gloria Maass
  • Alter Mann Kurt Fuckenrieder
  • Schwarzer Schwan Dragos Musat
  • und Wiener Staatsballett