Donnerstag, 9. Juni 2016

Macbeth, 8. Juni 2016, Staatsoper

Erste Aufführung der aktuellen Serie und das merkte man wirklich schmerzhaft!!! Offensichtlich wurde ohne Probe aufgeführt.
Diesmal war das Chaos unüberhörbar - das Orchester schwimmend, Simone Young rudernd um alle einzufangen, was ihr dann auch gelang, dann war es eine sehr interessante und spannende Aufführung.
Der Damenchor war ein einziges Ärgernis, erst beim letzten Hexenauftritt hat es funktioniert! Die Herren hingegen waren ausgezeichnet!


Tatiana Serjan singt wunderbar, allerdings ist ihre Stimme schon fast zu schwer für diese Rolle. Allerdings litt sie bei ihrer ersten Arie auch noch unter den Anfangsproblemen, aber ab dem zweiten Bild passte alles. Andrzej Dobber sang wunderschön mit kräftiger Stimme, Furlanetto wie immer ohne jedweden Tadel. Jorge de Leon in der Höhe ein bißchen schwächelnd (Pressen). Der Rest sehr gut.





  • Simone Young | Dirigent
  • Christian Räth | Regie
  • Gary McCann | Ausstattung
  • Mark McCullough | Licht
  • Nina Dunn | Video
  •  
  • Andrzej Dobber | Macbeth
  • Ferruccio Furlanetto | Banquo
  • Tatiana Serjan | Lady Macbeth
  • Jorge de Leon | Macduff
  • Jinxu Xiahou | Malcolm
  • Il Hong | Spion
  • Donna Ellen | Kammerfrau

  • Mittwoch, 8. Juni 2016

    Artemis-Quartett, 7. Juni 2016, Konzerthaus

    Das Artemis - Quartett ist wirklich mein Lieblingsquartett, ein etwas sprödes Programm. Mozart auf höchstem Niveau, Demetz war ein ganz schönes Stück, nicht wirklich aufregend
    Dafür der Grieg wunderbar, klar und aufregend.








    Artemis Quartett
    Vineta Sareika, Violine
    Anthea Kreston, Violine
    Gregor Sigl, Viola
    Eckart Runge, Violoncello
    Programm
    Wolfgang Amadeus Mozart
    Streichquartett G-Dur K 387 (1782)
    Eduard Demetz
    Streichquartett Nr. 2 «broken islands» (EA)
    ***
    Edvard Grieg
    Streichquartett g-moll op. 27 (1877-1878)


    Gespielte Zugabe(n):


    Hugo Wolf
    Italienische Serenade G-Dur für Streichquartett (1887)






    Freitag, 3. Juni 2016

    Don Carlo, 2. Juni 2016, Staatsoper



    Marco Armiliato dirigierte schwungvoll, interessant und sängerfreundlich. Nie wurden die Sänger überdeckt!
    René Pape ist ein großartiger Philipp, er ist zwar ein eher heller Bass, dass wirkt im Duett mit dem schwarzen Großinquisitor (Alexandru Moisiuc) natürlich sehr gut. Anja Harteros ist Weltklasse, ihre große Arie am Schluß hat wirklich gerührt. Ludovic Tézier steht ihr kaum nach.
    Ramón Vargas singt richtig, aber er presst die Höhen schon. Béatrice Uria-Monzon hat mir sehr viel weniger gefallen, unruhige Stimme und auch sonst komisch.
    Jongmin Park ein eindrucksvoller Mönch, Ileana Tonca eine Luxusbesetzung
    Andrea Carroll auffallend schön gesungen!




    Don Carlo (ital.)

    Giuseppe Verdi




    • Marco Armiliato | Dirigent
    • Daniele Abbado | Regie
    • Graziano Gregori | Bühnenkonzeption
    • Angelo Linzalata | Bühne
    • Carla Teti | Kostüme
    • Alessandro Carletti | Licht
    • Boris Stetka | Regiemitarbeit
    • Simona Bucci | Choreographie
    •  
    • René Pape | Philipp II.
    • Ramón Vargas | Don Carlo
    • Ludovic Tézier | Rodrigo
    • Anja Harteros | Elisabeth von Valois
    • Béatrice Uria-Monzon | Prinzessin Eboli
    • Alexandru Moisiuc | Großinquisitor
    • Jongmin Park | Mönch
    • Ileana Tonca | Tebaldo
    • Carlos Osuna | Conte di Lerma / Un Araldo
    • Andrea Carroll | Stimme von oben

    Donnerstag, 2. Juni 2016

    Brooklyn Memoires, 1. Juni 2016, Volkstheater



    Ein solider Abend mit einem netten Stück. Leider ist die Schärfe der Charaktere nicht herausgekommen. Am besten hat mir der der Vater gefallen.

    Brooklyn Memoiren

    von Neil Simon

  • Bühne Thea Hoffmann-Axthelm
  • Kostüme Werner Fritz
  • Video Nazgol Emami
  • Licht Paul Grilj
  • Dramaturgie Veronika Maurer

  • mit Rainer Galke (Jack), Anja Herden (Kate), Katharina Klar (Laurie), Kaspar Locher (Stanley), Nils Rovira-Muñoz (Eugene), Seyneb Saleh (Nora), Birgit Stöger (Blanche)

    Mittwoch, 1. Juni 2016

    WSO, Viotti, 31. Mai 2016, Konzerthaus





    Ein sehr junger Dirigent (26), Sohn eines bekannten, leider schon gestorbenen, mit einem sehr anspruchsvollen Programm.
    Die 2. Beethoven war ambitioniert aber naja, außer knallig leider nichts gewesen.
    Dann aber die 1. Mahler - feinfühlig,  spannungsreich und bis auf den 2. Satz gar nicht knallig. Das Orchester spielte wunderbar mit. Ein kleines Spannungstief im 4. Satz ist leicht zu verzeihen. Großer berechtigter Jubel.




    Interpreten
    Wiener Symphoniker
    Lorenzo Viotti, Dirigent
    Programm
    Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 36 (1801-1802)
    ***
    Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 1 D-Dur (1888)

    Dienstag, 31. Mai 2016

    Liederabend Christoph Gerhardus, 20. Mai 2016, tachles

    Das tachles ist wieder der Schauplatz und Christoph entwickelt sich hörbar weiter. Am besten haben mir die Schubert-Lieder gefallen, die im wohl am besten liegen.
    Sehr interessant waren die Wellesz-Lieder mit Gitarrenbegleitung!



    Christoph Gerhardus (Bariton)

    Zsombor Sidoo (Gitarre)
    Robert Heimann (Klavier)






    Hugo Wolf (1860-1903)

    Er ist’s (Eduard Mörike)
    Das Ständchen (Joseph von Eichendorff)
    Denk es o Seele (Eduard Mörike)

    Egon Wellesz (1885-1974)
    (Lieder aus Wien, H. C. Artmann)

    1. gima dei haund
    2. hosd as ned kead
    3. en an schbedn heabst
    4. frog me ned
    5. wos unguaz

    Franz Schubert (1797-1828)
    (Aus „Winterreise“ Wilhelm Müller)

    Erstarrung
    Der Lindenbaum
    Auf dem Flusse
    Die Krähe
    Im Dorfe
    Die Nebensonnen

    Hugo Wolf (1860-1903)

    Bei einer Trauung (Eduard Mörike)
    Begegnung (Eduard Mörike)
    Die Nacht (Joseph von Eichendorff)
    Abschied (Eduard Mörike)


    Verdi Requiem, 19. Mai 2016, Jesuitenkirche

    Dieser Abend war ein echtes Ereignis, der Dirigent, das Orchester und vor allem der Chor waren bestens disponiert. Die Solisten sehr gut, vor allem hat mit Yasushi Hirano gefallen, Ilker Arcayürek ist ein bisserl jung für diese Rolle, meisterte es aber mit Bravour. Heidi Brunner sehr gut, Cornelia Horak teilweise grandios (vor allem das hohe C am Schluss), dazwischen aber ein bisserl hart.


    http://www.chorvereinigung-augustin.com/konzert-verdis-sakrales-meisterwerk/






    Unter der Leitung von Andreas Pixner brillieren Cornelia Horak (Sopran), Heidi Brunner (Alt), Ilker Arcayürek (Tenor) und Yasushi Hirano (Bass) als Sängerensemble der Extraklasse in Verdis fulminantem Meisterwerk.




    Einleitungstext von Martin Filzmaier, der mir besonders gut gefällt:



    Giuseppe Verdi, Messa da Requiem





    Eine Werkeinführung zum Vor- oder Nachlesen, aus der Perspektive eines Mitwirkenden
    Von Martin Filzmaier
    Zu Verdis Requiem können Sie ausführliche musikwissenschaftlich relevante Informationen den Konzertführern oder auch den bemühten Wiki- und anderen –pädien im Internet entnehmen. Sie erfahren dort, dass Verdi diese Totenmesse nach dem Tod des Dichters Alessandro Manzoni im Jahre 1874 geschaffen hat, unter Verwendung seines für die als Gemeinschaftswerk konzipierte „Messa per Rossini" komponierten „Libera me"-Schlusssatzes. Sie lesen ferner, dass Verdis Requiem oft als seine „schönste Oper" beschrieben wird. Obwohl das Requiem als erste Komposition seiner Art, also eine Totenmesse der katholischen Kirche, nicht für die Verwendung in der Liturgie, sondern als Werk für den Konzertsaal geschaffen wurde und natürlich Verdis musikalische - durch und durch „opernhafte" - Tonsprache verwendet, ist es dennoch geistliche Musik.
    Worum geht es nun in dieser schönen Oper „Messa da Requiem"? – Um den (individuellen) Tod, würde man meinen, da eine Totenmesse ja meist ihren Anlass im Ableben einer konkreten Person hat. Tatsächlich beginnt die Totenmesse ja im Pianissimo, mit der Bitte für die Toten („…und das ewige Licht leuchte ihnen") und mit der Anrufung „Herr, erbarme Dich". Mit dem Beginn der Sequenz, dem Dies irae wendet sich jedoch das Blatt. Es ist, als würde nach der Einstimmung, dem Prolog, erst jetzt der Vorhang aufgezogen. – Und es eröffnet sich - großes Welttheater! Nicht mehr um Sterben, Ruhe und Frieden geht es hier, sondern um die letzten Dinge, um das große Aufräumen, das endgültige, letzte, also „jüngste" Gericht, „judex (…) cuncta stricte discussurus", bei dem der große Weltenrichter sich ganz genau anschauen wird, was in den vielen Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte so alles an Verfehlungen, Verbrechen und himmelschreiendem Unrecht begangen wurde.

    Natürlich erfasst der Operndramaturg Verdi, dass bei so einem Thema die gesamte Maschinerie aufgefahren werden muss. Und es ist ja auch ein starker Text, der da aus dem 13. Jahrhundert auf uns gekommen ist! Hier ist definitiv Schluss mit lustig, alle erzittern, erschauern, erbeben nur mehr vor der ungeheuren Gewalt, mit der die unüberschaubare Menge an Unrat/Unrecht hinweggefegt wird; nein, nicht nur hinweggefegt, sondern „solvet saeclum in favilla", die ganze Welt lässt er vergehen in Staub und Asche, dieser Tag des reinigenden Zorns.

    Jetzt ist er da, Er, der Richter, „stricte discussurus" – und nun passiert vor unseren Augen und Ohren etwas, was so noch nie vertont wurde. Denken Sie an Mozarts wunderschöne Posaunen-Kantilene des „Tuba mirum": Nichts davon bei Verdi! Hier inszenieren die von Ferne (und in der Jesuitenkirche von den Seitenemporen) ertönenden Bläser die letzten Posaunenklänge des Jüngsten Gerichts – und „schön" ist das nicht, was hier auf uns zukommt. In den 26 Takten dieser genialen Komposition erfahren wir gebannt, was es heißt, die Toten aus ihren Gräbern zu rufen. Da wird keine freundliche Einladung ausgesprochen: in tiefstem Ernst und höchster Dringlichkeit ertönt dieser letzte Weckruf, „Coget omnes ante thronum" – er zwingt (uns) alle vor (seinen) Thron. Am Höhepunkt dieser Steigerung können wir nur mehr entsetzt aufschreien „tuba mirum spargens sonum", aber nicht wie Menschen, die den wunderbaren Klang dieser Posaune hören, sondern wie Menschen, denen es jetzt an den Kragen geht! Alle Lebenden werden gerichtet, und auch die Toten: „Mors stupebit" – der Tod und unsere sterbliche Natur, die ja immer das letzte Wort hatten, werden – ja, „stupere", wie übersetzt man das? Verblüfft sein? – das Nachsehen haben, wie vor den Kopf gestoßen sein, wenn sich auf einmal alle Kreatur aus dem Grab erhebt, um vor ihren Richter

    zu treten. Schon entfaltet sich das Gericht: ein Buch „in quo totum continetur" wird vorgebracht – die gesamte Menschheitschronik – und da wird alles aufgedeckt, was so in den Jahrhunderten unter den Teppich gekehrt wurde, nichts bleibt ungestraft (und unbelohnt, müsste man hinsichtlich des vielen Guten, das auch getan wurde, ergänzen – doch dieser Aspekt spielt hier überhaupt keine Rolle), „dies irae", wirft der Chor immer wieder flüsternd ein, damit wir nicht vergessen, worum es hier geht. Immer auswegloser wird die Situation, was soll ich antworten, womit kann ich mich rechtfertigen, wen kann ich mir zu Hilfe rufen, wo doch sogar der Gerechte kaum bestehen kann?

    „Rex tremendae majestatis", antwortet der Chor. Das kann man kaum übersetzen: „König von zu erzitternder Erhabenheit" klingt gekünstelt, holprig und bei weitem nicht so ehrfurchtgebietend wie das lateinische Original. Mit c-Moll und As-Dur ist es jedoch nach ein paar Takten vorbei, denn der vermeintlich schreckliche Weltenrichter stellt sich als „der ganz Andere" (die vielleicht verblüffendste Eigenschaft Gottes) heraus, als „fons pietatis", also ein Quell von Milde und Nachsicht, der sich derer, die noch zu retten sind („salvandos"), „gratis" erbarmt. Das bekommt nach den Solisten auch der Chor mit, der dann immer drängender, „salva, salva me!" seine Rettung einfordert.






    Der Weltenrichter ist nun als Christus Jesus identifiziert, der von den Solisten an die Heilstaten seines Erdenlebens erinnert wird. Der Chor jedoch ahnt, dass es ihm wohl doch an den Kragen gehen wird und rollt noch einmal das „Dies irae"-Geschrei aus, bevor er nach der Bitte um Verschonung schließlich im „dona eis requiem" endet: „gib ihnen (die ewige) Ruhe".
    Das große Welttheater der Sequenz ist nun vorbei. Szenenwechsel. Die Solisten bestreiten das Offertorium; Sanctus und Benedictus sind eine flotte, heitere, doppelchörige Doppelfuge – da singen wohl die Engel im Himmel, und von der zu Staub gewordenen Welt ist nichts mehr zu sehen. Völlig losgelöst vom vormaligen Drama des Weltgerichts ist auch das Agnus Dei. Ort der Handlung: das himmlische Jerusalem; in seiner Mitte das Lamm, das von den Solistinnen unisono angebetet wird. Die überirdische Atmosphäre wird auch vom Chor übernommen, der am Ende nochmals für die Toten („dona eis requiem sempiternam") bittet. Das schließlich solistisch vorgetragene „Lux Aeterna" behält die Perspektive „aus dem Himmel herab" bei und verklingt im Pianissimo dolcissimo.

    So idyllisch-versöhnlich endet Verdis Requiem jedoch nicht. Der letzte Abschnitt, das „Libera me Domine", führt uns noch einmal zurück an den Tag des Jüngsten Gerichts, betont allerdings den zuversichtlicheren Teil der christlichen Heilslehre. Dieser lässt sich in der alten Anrufung „per iudicia tua libera nos, Domine!" zusammenfassen, „durch Deine Gerichte befreie uns, o Herr!". Diese Tradition sieht das Weltengericht nicht als Bedrohung, sondern als ultimativen Befreiungsschlag Gottes, der endlich seine Kirche von der Bedrängnis irdischer Verfolgung erlöst. Sogar das ängstliche „tremens factus sum ego et timeo" wird vom anfänglichen c-Moll im Schlussakkord in verhaltenes, aber lichtes C-Dur aufgelöst. Dies kontrastiert der Chor mit einer nochmaligen dramatischen Reminiszenz an den „Dies irae", der jetzt als ein „dies magna calamitatis et miseriae" beschrieben wird, und klingt schließlich völlig düster und in Hoffnungslosigkeit aus.

    Diese wird in eine äußerst verhaltene, abschließende Bitte „requiem aeternam dona eis, Domine" übergeführt, und das Werk verklingt schließlich im vierfachen Pianissimo. – Könnte man meinen.

    Doch die Sopranistin wirft neuerlich, gebetsmühlenartig („senza misura") das „Libera me, Domine, de morte aeterna" auf und führt schließlich den Chor zu einem „Allegro risoluto" desselben Textes, einer meisterhaften Fuge, in der die Befreiungsbitte nochmals in letzter Eindringlichkeit vorgetragen wird.






    Das Werk endet – nun wirklich – im dunkelsten C-Dur, das man sich vorstellen kann, „morendo", „sterbend" also, kaum mehr hörbar, in den Bitten des Chors: „Libera me".