St. Florian ist immer eine Reise wert. Poschner hat aus dem Bruckner Orchester ein erstklassiges Ensemble geformt. Die 3. Mahler ist ja ein Riesenbrocken und schwer zu spielen.
Aber es gelang alles ausgezeichnet. Vor allem der Klang des Fernorchesters sowie die tiefen Bläser profitierten von der Akustik. Wiebke Lehmkuhl sang betörend, der Chor bzw. die Chöre von hinten wunderschön, auch die Koordination klappte Chapeau.
Markus Poschner bringt alle Besonderheiten und Differenzierungen des Ausnahmewerkes überzeugend zum Ausdruck. Sei es die stilistische Abwechslung oder Ideenvielfalt der seltsamen Musik, ihre verschwenderische Phantasie, die eigensinnige Formenwahl, zuletzt alles zusammen einheitlich verschmolzen zu einer scheinbar von Mahler selbstgenannten „unversöhnlichsten“ Mischung melodischer, rhythmischer und harmonischer Elemente. Poschners gestenreiches Prachtvermögen setzt mit seiner gestalterischen Offenbarung auf Identifikation mit dem schöpferischen Geist Mahlers ohne persönliche Äußerlichkeiten. Da gibt es viel zu entdecken bis zu geheimnisvollen Gedanken an den Hörer zu bringen. Überhaupt wenn eine akustische Rücksichtnahme bei Kirchenaufführungen – wie diesmal – keine geringe Rolle spielt. Noch kaum jemals habe ich ein Konzert ohne den sonst unvermeidlichen Nachhall in solchen Räumen erlebt. Bei Poschner fand jeder Ton in jeder Lage seine richtige Stärke, erfahren lenkte er seine Dirigierkunst in allen Sätzen zu einer perfekten Wiedergabe. Vom Anfang an waren absolute Klanghoheit und präzise Artikulation zu entdecken, auch bekannte Lieblingsthemen, Anleihen aus eigenen oder Werken anderer Komponisten und Literaten, auch Nietzsches „Mitternachtslied“ aus „Zarathustra“, der altgriechische „Pan“, das „Bettlerlied“ aus Kinderkehlen( Landestheater Linz) und vom Frauenchor (Linzer Jeunesse und Hard Chor), zu all dem brauchte es und glänzte eine Riesenbesetzung.
Im mit weit über hundert Musiker besetzten Orchester mit acht Hörnern, dreifach besetztem Schlagzeug, zwei Harfen und vielen teils auch solistisch gefordertem Blech- und Holzbläserensemble. Nicht zu vergessen den Posthornbläser, der zum Sonderbeifall auf das Podium geholt wurde. Zum großen Triumph am Ende natürlich auch alle Mitwirkenden, aus denen die deutsche Mahler-Speziealistin Wiebke Lehmkuhl, die das berührende Altsolo „O Mensch! Gib acht!“ im Finalsatz innerlich berührend sang, herausragte. Als nach 17 Takten Musik bis zum anschwellenden D-Dur-Klangbad Poschner mit hochgestreckten Armen das Ende anzeigte, reagierte das Publikum lange still gebannt auf das Erlebte. Das Tor Mahlers in eine bessere Welt tat sich auf zur überirdischen Schönheit in eine bessere Welt. Lange darauf donnerte der Jubel lautstark aus den Kirchenbänken mit nicht Ende wollender Begeisterung.
Georgina Szeless
Musikjournalistin
Besetzung
Wiebke Lehmkuhl Alt
Markus Poschner Dirigent
Hard-Chor Linz Frauenchor
Linzer Jeunesse Chor Frauenchor
Kinderchor des Landestheater Linz Knabenchor
Bruckner Orchester Linz
Programm
Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 3 d-Moll
für Alt-Solo, Knabenchor, Frauenchor und Orchester











